Der Grüneburgweg in Frankfurt wurde 2022 zur Fahrradstraße umgestaltet. Ziel war mehr Sicherheit und weniger Autoverkehr. Doch eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer zeigt große wirtschaftliche Probleme. Vor allem Einzelhandel und Gastronomie melden Umsatzrückgänge zwischen 5 und 35 Prozent.
Inhaltsverzeichnis:
- Susanne von Verschuer und Stephanie Wüst fordern Lösungen
- Andreas Dresch und Can Badan beschreiben Probleme im Alltag
- Frank Nagel und CDU präsentieren Maßnahmenpaket
- Frankfurt University of Applied Sciences untersucht Verkehr
- Streit zwischen FDP, Grünen und Mobilitätsdezernat
Susanne von Verschuer und Stephanie Wüst fordern Lösungen
Die Vizechefin der Industrie- und Handelskammer, Susanne von Verschuer, sieht den Rückbau der Fahrradstraße als Option. Auch Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst von der FDP hält dies für möglich. Von 44 befragten Unternehmen am Grüneburgweg gaben 22 an, Verluste zu erleiden. Zwei Drittel machen die Umgestaltung der Straße dafür verantwortlich. Nur drei Betriebe konnten steigende Umsätze verzeichnen.
Die Weinhandlung Westlage, geführt von Andreas Dresch, schildert eine deutliche Verschlechterung der Lage. Kunden blieben weg, sowohl Autofahrer als auch Fußgänger. Dresch kritisiert, dass Vorschläge der Gewerbetreibenden vom Mobilitätsdezernat und Ortsbeirat ignoriert wurden.
Andreas Dresch und Can Badan beschreiben Probleme im Alltag
Andreas Dresch, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Grüneburgweg, berichtet von leeren Straßen. Die versprochene Flaniermeile sei ausgeblieben.
Auch Can Badan vom Badan’s Frischemarkt meldet Schwierigkeiten. Er musste einen zusätzlichen Fahrer einstellen. Lieferungen dauern länger, der Benzinverbrauch steigt. Viele ältere Kunden kommen nicht mehr, weil Parkplätze fehlen und Online-Bestellungen für sie keine Option sind. Er fordert strengere Kontrollen, da Lieferzonen oft von Falschparkern blockiert werden.
Frank Nagel und CDU präsentieren Maßnahmenpaket
Frank Nagel, mobilitätspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, schlägt ein 90-Tage-Paket vor. Es umfasst:
- Testweise Öffnung der Diagonalsperren.
- Mehr Kurzzeitparkplätze.
- Erweiterung der Lieferzonen.
- Schwerpunktkontrollen durch die Stadtpolizei.
So soll der Straßenraum für Anwohner, Lieferdienste und Kunden nutzbarer werden.
Frankfurt University of Applied Sciences untersucht Verkehr
Eine Studie mit Videoaufnahmen der Frankfurt University of Applied Sciences belegt: Seit dem Umbau gibt es weniger Radfahrer auf Gehwegen und mehr Sicherheit. Badan widerspricht jedoch und beobachtet weiterhin viele Radfahrer auf den Gehwegen. Er fordert Anpassungen, aber keinen kompletten Rückbau.
Zu seinen Vorschlägen zählen:
- Rückbau einiger Fahrradparkplätze zu Autostellplätzen.
- Entfernung der Diagonalsperre für Durchfahrten.
Streit zwischen FDP, Grünen und Mobilitätsdezernat
Die FDP hatte die Koalition im Römer verlassen. Ein Grund war die Verkehrspolitik. Stephanie Wüst betont fehlenden Dialog mit dem Mobilitätsdezernat. Sie fordert, den im Beschluss verankerten Rückbau-Mechanismus zu nutzen.
Katharina Knacker von den Grünen erklärt, man nehme die Sorgen ernst und habe Lieferzonen angepasst. Wiebke Lang vom Mobilitätsdezernat widerspricht den Vorwürfen. Sie verweist auf regelmäßige Austausche mit der IHK und betont, dass Wüst 2024 viele Termine abgesagt habe.
Lang stellt klar: Die Fahrradstraße ist Teil des Fahrradstadtbeschlusses. Für Änderungen müsse das Stadtparlament einen neuen demokratischen Beschluss fassen. Ohne Mehrheitsentscheidung der Bürger und Stadtverordneten bleibt der Grüneburgweg eine Fahrradstraße.
Quelle: Frankfurter Rundschau, YouTube



